Dez
24
Kollaboration statt Konfrontation
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Insbesondere kleine und mittelständische Versicherungsunternehmen werden in Zukunft verstärkt mit- denn gegeneinander arbeiten müssen, um komplexe, am Kundennutzen orientierte Versicherungslösungen erstellen zu können.
Die Assekuranz befindet sich in einer Phase nachhaltiger Veränderung von Marktdynamik und Marktstruktur! Nach der Liberalisierung des Marktes Mitte der neunziger Jahre, der Globalisierung und dem Eintritt von Banken und Finanzdienstleistern in das Versicherungsgeschäft Ende der neunziger Jahre, der Produktdiversifikation und der hohen Preissensibilität der “Geiz ist geil”-Generation nimmt der Wettbewerbsdruck stetig zu. Die Börsenschwäche nach den Terroranschlägen auf das World Trade Center 2001, der Irak Krieg und die stagnierende Weltwirtschaft ließen die Hoffnungen auf einen konjunkturellen Aufschwung lange Zeit nicht zu. Der Kostendruck steigt stetig.
Die EU-Vermittlerrichtlinie wird zur Konsolidierung im Vermittlersegment beitragen, die Ausschließlichkeitsorganisation der Versicherer verlieren schleichend an Bedeutung. Im Gegenzug gewinnen die Banken und unabhängigen Vermittler Marktanteile. Das Internet wird mittelfristig auch im Bereich des beratungsintensiven Geschäfts an Bedeutung gewinnen. Und spätestens wenn die Kunden nicht mehr unterscheiden können, ob Sie fernsehen oder sich vielleicht doch gerade im interaktiven (Fernseh-) Internet befinden, werden sich auch diejenigen eines Besseren belehrt sehen, die heute noch das Gegenteil behaupten. VVG-Reform und Informationsverordnung haben das Ziel, den Verbaucher zu schützen und führen mit der Offenlegung der Abschluss- und Verwaltungskosten ein neues Wettbewerbskriterium ein. Auch dies wird zur Konsolidierung im Versicherungsmarkt beitragen.
Die Industrie als Vorbild
Vor etwa dreieinhalb Jahren noch unbedeutend spricht man innerhalb der Assekuranz heute von der “Industrialisierung”. Gemeint ist ein Veränderungsprozess nach dem Vorbild der Industrie mit ihrer strategischen und operativen Excellenz. Aber was passiert aktuell in der Industrie? Schauen wir doch einmal in das produzierende Gewerbe.
Da gibt es Hersteller von Druckern, die ihre Kunden beraten, wie sie ihren Druckoutput minimieren können, um die Druckeffizienz zu erhöhen. Ist das Selbstmord? Da gibt es Energieunternehmen, die Energie verkaufen, aber ihre Kunden beraten, wie sie ihren Verbrauch senken können. Sie übernehmen das Energie-Management ihrer Kunden und verkaufen auch(!) Energie.
Und die Automobilbranche verkauft keine Autos mehr, sondern Mobilität!
Eine zunehmende Nutzenbetrachtung in der Automobilindustrie führt dazu, dass das Fahrzeug künftig nicht mehr im Vordergrund steht. Im Fokus steht stattdessen die Transportleistung von Ort zu Ort. Fällt das Fahrzeug aus, muss auf konkurrierende Services wie Bahn, Taxi, Bus oder Flieger zugegriffen werden, um die Mobilität zu gewährleisten. Services wie Car-Sharing, Home-Delivery und Mietservices, den Smart am Bahnhof werden von Online-Buchungs- und geografischen Informationssystemen gestützt angeboten.
Die Bedarfsdeckung erfolgt über sogenannte “hybride Produkte”.
Solche Produkte sind gezielte Kombinationen von Sach- und Dienstleistungen (und deren integrative Abstimmung aufeinander) zur Lösung eines spezifischen Kundenproblems mit gesamtheitlicher Betrachtung. Die Vorteile liegen klar auf der Hand: Höhere Wettbewerbsdifferenzierung, höhere Wertigkeit des Produktes und schließlich ein höheres Margenpotenzial des Angebotes. Dies ist für Unternehmen um so interessanter, je gesättigter ein Markt ist.
Früher stand in der Industrie das Sachgut im Mittelpunkt der Betrachtung. Heute steht es zwar immer noch im Fokus, aber drum herum gibt es eine Reihe von Dienstleistungen. So baut ein Maschinenbauer nicht länger nur Maschinen. Er kümmert sich auch um die Finanzierung und Versicherung, übermimmt Lieferung und Montage, Wartung und Reparatur bis hin zur Entsorgung. Dies hat vor allem das Ziel, den Abverkauf der Maschine zu fördern. Morgen werden diese Sachgüter jedoch integrativer Bestandteil einer Dienstleistung, die sich am Kundennutzen orientiert und die kundenspezifischen Probleme löst. Völlig neue Aspekte des Betriebs müssen berücksichtigt und eine neue Art der Leistungsvergütung entwickelt werden.
Im übertragenden Sinn sind “hybride Produkte” für die Versicherungswirtschaft gezielte Kombinationen aus Versicherungsleistungen und sonstigen Dienstleistungen zur Lösung spezifischer Kundenprobleme. Hybride Produkte sind nutzenorientiert, sie lösen Kundenprobleme gesamtheitlich. Die Dienstleistung gerät auch hier künftig in den Vordergrund. Hybride Produkte sind jedoch sehr individuell und hoch komplex. Das ist der Grund, warum sie in den seltensten Fällen von einem einzigen Unternehmen alleine entwickelt werden können.
Kollaboration wird zur Überlebensfrage
“Kollaboration” heißt Zusammenarbeit mit dem Feind! Zugegeben, das klingt zunächst etwas martialisch, ist aber durchaus ernst gemeint; die Industrie tut es bereits. Eine Reihe von Beispielen insbesondere in der Automobilindustrie belegen dies eindrucksvoll.
Insbesondere die kleinen und mittelständischen Versicherungsunternehmen und Dienstleister werden in Zukunft verstärkt mit- denn gegeneinander arbeiten müssen, um komplexe, am Kundennutzen orientierte Problemlösungen gemeinschaftlich erstellen zu können. Dies gilt insbesondere für Versicherer, die fester Bestandteil fremder Wertschöpfungsketten sind.
Die Entwicklung und der Betrieb solcher unternehmens- bzw. branchenübergreifender Gesamtlösungen bedingen effiziente unternehmensübergreifende Geschäftsprozesse. Standardisierung ist ein wesentliches Element der Industrialisierung und absolut notwendig, wollen Unternehmen miteinander kollaborieren. Der lange Zeit staatlich regulierte Versicherungsmarkt hat hier gegenüber anderen Branchen deutlich Nachholbedarf. Die Standardisierungsbemühungen stecken noch in den Kinderschuhen und die Erkenntnis ist in den Management-Etagen noch nicht vollständig angekommen. Aber insbesondere die kleinen und mittelständischen Unternehmen der Assekuranz werden die Entwicklung von Standards voran treiben. Die Bereitschaft zur Kollaboration wird zunehmend zur Überlebensfrage und die Mitgliedschaft in Standardisierungsorganisation zur Pflicht.