Am 9. Juni 2010 lädt die Brancheninitiative Prozessoptimierung (BiPRO) erneut zur Frühjahrs-Tagung nach Düsseldorf ein. Das Programm verspricht viel:

Am Vormittag kommen Initiativen bzw. Unternehmen zu Wort, die die mit der Insolvenz der Indatex AG entstandene Lücke in der technischen Anbindung von unabhängigen Vermittlern und Versicherungsgesellschaften schließen möchten. Interessant ist, dass BiPRO-Normen bei allen eingesetzt werden sollen. Es bleibt spannend zu erfahren, wie genau BiPRO-Normen zum Einsatz kommen werden und wo die Anbieter ihre Alleinstellungsmerkmale sehen.

Am Nachmittag wird man in zwei Blöcken einen kompakten Einblick in die BiPRO-Normwelt erhalten. In einem Block speziell für Einsteiger erfahren auch Nicht-Mitglieder, wie und wofür man BiPRO-Normen einsetzt, welche Normen es bereits gibt und wie neue Normen entstehen. Parallel dazu erhalten erfahrene Mitglieder einen Einblick in die erst jüngst in den Status Potenzielle Norm gehobenen Bestandsnormen (Partner- und Vertragssuche, Partner- und Vertragsauskunft sowie allgemeine und spartenspezifische Vertragsänderungen). Danach stellen Allianz, MLP und IDEAL ihre BiPRO-Implementierungen im Bereich der Prozesse Tarifierung, Angebot und Antrag in der Lebensversicherung vor und berichten aus der Praxis.

Am 6. November 2008 hat der Normungsaussschuss des BiPRO e. V. das aktuelle Release 2 der BiPRO-Normen um Standards im Bereich der Kfz-Versicherung erweitert und zur Veröffentlichung an die Mitglieder des BiPRO e. V. freigegeben.

Die Kfz-Versicherer leiden seit Öffnung der Märkte Mitte der neunziger Jahre unter einem enormen Wettbewerbs- und Kostendruck. In der Kfz-Versicherung herrscht seit jeher ein harter Verdrängungswettbewerb und Preiskampf. Das Geschäft ist arbeitsintensiv, die Vermittlervergütung gering, genauso wie die Margen. In keiner anderen Sparte ist eine Prozessoptimierung durch Automatisierung von derart hoher Bedeutung wie in der Kraftfahrzeugversicherung.

Hoher Automatisierungsgrad

Die Kfz-Versicherer haben schon früh das Potenzial der Prozessautomatisierung zur Kosten- und Service-Optimierung erkannt und ihren Vermittlern individuelle technische Lösungen angeboten. Insbesondere die Vermittler, Tarifvergleicher, Portale und Vertriebe haben dadurch aber mit unzähligen individuellen Schnittstellen zu kämpfen. Jetzt hat der BiPRO e. V. Normen für die Vertriebsprozesse Beitragsermittlung, Angebotserstellung und Antragstellung inkl. Beantragung einer elektronischen Versicherungsbestätigung (eVB) entwickelt und freigegeben. Durch Anwendung der BiPRO Kfz-Normen können weitere Optimierungspotenziale realisiert werden.

Anbindung von Vertriebspartnern über BiPRO

Immer mehr Versicherer werden künftig ihre Kfz-Prozesse nach BiPRO-Norm einheitlich gestalten. Dadurch können Versicherungsmakler oder Vertriebe über ihre eigenen Systeme oder über eine Tarifvergleichssoftware direkt auf die Systeme der Versicherer zugreifen und Versicherungsbeiträge ermitteln, Angebote im PDF-Format anfordern und Anträge einreichen. Außerdem können die für das Straßenverkehrsamt benötigte Versicherungsbestätigung (eVB) und alle relevanten Informationen nach Versicherungsvertragsgesetz (VVG) elektronisch angefordert werden. Mit zunehmender Durchdringung des Standards im Markt verringern sich dadurch die individuellen Lösungen, was in der Folge zu einer Erhöhung der Effizienz führt.

Die “Potenzielle Norm” kann von allen Mitgliedern des BiPRO e. V. kostenlos bei der Geschäftsstelle des Vereins angefordert werden. Nach den ersten Anwendungen erhält sie den Status “Offizielle Norm” und wird voraussichtlich Ende 2009 für die gesamte Versicherungswirtschaft veröffentlicht. Damit ist sie auch von allen Nicht-Mitgliedern kostenfrei nutzbar.